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Gedanken am 28. Oktober 2019

Gelesen am 23. November, beim 200. Positiventreffen im Waldschlösschen, im Gedenkraum zur Ehrung der verstorbenen und der mit HIV verbundenen Geschichte, dem Trauern, der Erinnerung und dem LEBEN. 🙏

HIV – Die Gesellschaft und der Mensch

Wir können es uns einfach machen und sagen, die Gesellschaft hat ein Problem mit HIV-Positiven, dann stehen wir im Abseits und leiden, wir lecken unsere Wunden, sind betroffen und jammern darüber, dass die Welt so schlecht ist oder wir stehen auf und sagen:
Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft, wir sind wertvoll, auch wenn wir einen Virus in uns tragen, der gut behandelt ĂĽberhaupt kein Problem mehr darstellt, weil er selbst beim Sex nicht mehr ĂĽbertragbar ist.

Aber genau das ist das Problem, es geht um Sex, beim Sex haben sich die meisten HIV-Positiven angesteckt. Da kommt die Wertung ins Spiel, du hast nicht aufgepasst, du bist eine Schlampe, Schwul oder DrogengebraucherInnen, die Gesellschaft stellt uns an den Rand, als Abschaum der nicht gesellschaftsfähig ist. 

Was machen wir? Wir nehmen es an und ducken uns weg.
Wir leiden, verkriechen uns und sagen: ich bin SCHLUD, ich bin es nicht Wert zu leben.
Ist das Verstecken oder gar der Tod die Lösung? Wir sagen eindeutig: Nein!
Aber, die Scham und der Glaube versagt zu haben ist das größte Problem der Positiven.

Die Menschen haben den Virus in einem ganz intimen Moment bekommen, in dem sie sich geöffnet haben, für die Zuneigung, die Nähe und für die Liebe. Sie haben dem Gegenüber vertraut, sich hingegeben, geliebt, sich vereinigt.
Ein ganz normales menschliches BedĂĽrfnis. Kondome schĂĽtzen, ja, aber nicht zu 100%. 100%igen Schutz gibt es nur, wenn man keinen Sex hat.
Aber, das wäre wiederum auch nicht menschlich.

Die Bewertung des Menschen mit Moral funktioniert leider erschreckend gut, einen anderen abzuwerten um das eigene Selbst aufzuwerten. Doch so funktioniert ein gesundes Miteinander nicht. Sich gegenseitig zu helfen und zu unterstĂĽtzen ist viel hilfreicher, MitgefĂĽhl und ein gutes Miteinander ist menschlich.

Wir stehen fĂĽr ein Miteinander in der Gesellschaft.
Wir sind alles Menschen, wir brauchen Anerkennung, Liebe, Zuneigung und Wertschätzung.


Eurer Dirk, von der Positive Lounge – HIV bewegt uns in Braunschweig